Sport
Eismeister Zaugg

Ambri Piotta: Eismeister Zaugg zur Verlängerung von Jussi Tapola

Head Coach Jussi Tapola (HCAP) motivates his players, during the regular season National League game between HC Ambri Piotta and Lausanne HC at the ice stadium Gottardo Arena, Switzerland, February 24 ...
Jussi Tapola hat bei Ambri einen Vertrag bis 2029 unterschrieben.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Alle Macht dem Trainer – die Leventina wird die 20. finnische Provinz

Ambri verlängert mit Trainer Jussi Tapola (51) vorzeitig um drei Jahre bis 2029. Der verrückteste Trainervertrag seit Einführung der Playoffs (1986).
04.03.2026, 17:5804.03.2026, 18:00

Finnland ist seit 2010 in 19 Verwaltungskreise – salopp gesagt: Provinzen – aufgeteilt. Nun kommt eine 20. Provinz (Maakunta) dazu: die Leventina, Heimat des legendären Hockeyunternehmens HC Ambri-Piotta.

Mit Jussi Tapola bekommt die Leventina mehr als nur einen Trainer. Einen Maakuntajohtaja (= der höchste Beamte im finnischen Verwaltungsbezirk), sozusagen einen finnischen Statthalter. Wenn ein Klub einem so machtbewussten Bandengeneral einen Vertrag über drei Jahre gibt, dann sind nicht nur Vertrauen und gegenseitige Sympathie fast grenzenlos. Dann ist der Klub auch dazu verurteilt, alle Wünsche des Trainers zu erfüllen. Oder besser noch, die Wünsche des Trainers von den Lippen abzulesen. Also nach seiner Pfeife zu tanzen. Dieser Dreijahresvertrag bedeutet: Alle Macht dem Trainer. Präsident, Verwaltungsräte und Sportchef sind nicht seine Vorgesetzten. Sondern seine Dienstboten. Die Leventina wird hockeytechnisch die 20. Provinz von Finnland.

Natürlich gilt: Trainer, Sportchefs und Spieler kommen und gehen, der Klub aber bleibt bestehen. Aber wenn die Spielerdecke so dünn ist, dass mehr als die halbe Mannschaft aus Schweizern besteht, die bei der Konkurrenz keinen Stammplatz hätten, dann ist der Erfolg (oder mindestens der Ligaerhalt) nur möglich, wenn der Trainer aus jedem Einzelnen das Maximum herausholt. Das bedingt viele Einzelgespräche, Rücksichtnahme auf zerbrechliche Egos, Pflege des Selbstvertrauens und Anpassung der taktischen Ausrichtung auf das limitierte Talent der Spieler. Trösten statt toben, fordernd sein, aber auch geduldig und verständnisvoll.

So gesehen hat Jussi Tapola in Ambri einen der schwierigsten Jobs in Europa übernommen. Einen Job, der mehr Geduld, Ausdauer, Beharrlichkeit, Langmut, Nachsicht, Gelassenheit, Standhaftigkeit, Zähigkeit, Ruhe, Selbstbeherrschung, Toleranz, Takt- und Fingerspitzengefühl, Diplomatie, Verhandlungsgeschick, Einfühlungsvermögen, Kompromissbereitschaft, Umsicht, Besonnenheit und Feingefühl erfordert als jeder andere ausserhalb der NHL.

Bringt Jussi Tapola alle diese Eigenschaften – und es darf, wenn er in Ambri drei Jahre ausharren will, keine einzelne davon fehlen – alle mit? Wir wollen nicht grübeln.

Ambris Head Coach Jussi Tapola, waehrend dem Time Out beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem HC Ambri-Piotta, am Samstag, 31. Januar 2026, in der Emmen ...
Seit Januar 2026 steht Tapola bei den Tessinern an der Bande.Bild: keystone

Eigentlich ist es recht einfach: Sage mir, ob Ambri vier sehr gute und zwei gute Ausländer hat – und ich sage Dir, wie es um Jussi Tapola steht. Sein Glück wird vom ausländischen Personal abhängen.

Die beiden Verteidiger Tim Heed (35) und Jesse Virtanen (34) sowie neu der tschechische Center-Floh Petr Kodytek (27) stehen bereits unter Vertrag. Heed und Virtanen sind gute Ausländer, weisen aber die miserabelste und die zweitmiserabelste Plus/Minus-Bilanz des Teams auf. Sie reiten ins Abendrot ihrer Karriere und haben die Zukunft hinter sich. Kodytek ist ein vielversprechender Schillerfalter, ein wenig die tschechische Antwort auf Lino Martschini. Will Ambri in den nächsten drei Jahren den Abstiegskampf vermeiden, dann obliegt es nun Phantom-Sportchef Lars Weibel, drei sehr, sehr gute Ausländer zu engagieren.

Ist es klug, Jussi Tapola mit einem Dreijahresvertrag zum «finnischen Statthalter» in der Leventina zu machen? Die Versuchung ist gross, nun zu polemisieren («die grösste Torheit der Klubgeschichte») und eine vorzeitige Entlassung zu prophezeien. Aber das wäre billig. Weil sich ja dann, wenn sein Vertrag nach drei Jahren erneut verlängert werden sollte, niemand mehr an die Zeilen eines Chronisten aus dem Frühjahr 2026 erinnern würde. Und umgekehrt der Chronist im Falle einer vorzeitigen Vertragsauflösung im Archiv kramen und triumphierend verkünden könnte: «Ich habe es ja gesagt!» Nein, das wäre wahrlich billig, ja schäbig.

Ambri hat mit dem Dreijahresvertrag erst einmal für Stabilität und Ruhe gesorgt. Allerdings mit einem Trainer, der eigentlich für die ganz speziellen Verhältnisse dieses Klubs eher nicht für ein längerfristiges Engagement geeignet ist. Kurzer Wahn, lange Reue? Time will tell. Das Abstiegsrisiko ist aktuell eher theoretischer Natur und dann bleibt genug Zeit, um im Laufe des Sommers vor allem auf den Ausländerpositionen nachzurüsten.

Das Duo Paolo Duca/Luca Cereda hat Ambri die sieben besten Jahre der neueren Geschichte beschert: Einen 5. und 6. Platz, eine Teilnahme an der Champions League und den Spengler-Cup-Triumph 2022. In die Ligaqualifikation musste Ambri in dieser Zeit nie.

Standings provided by Sofascore

Wagen wir eine Prognose: Das Duo Lars Weibel/Jussi Tapola kann eine ähnliche Erfolgsbilanz erreichen. Aber sieben Jahre wird diese «Ehe» nicht halten. Schon das Erreichen des dritten Vertragsjahres sollten die beiden feiern wie eine Eichenhochzeit (für 80 Jahre Ehe) im richtigen Leben. Bereits eine Lederhochzeit (drei Jahre) wäre ein schöner Erfolg, ja eigentlich ein wunderbares Hockeymärchen. Nur eines wissen wir jetzt schon: Die Unterhaltung wird grandios sein. Auch ohne Chris DiDomenico.

P. S. Der Dreijahresvertrag mit Jussi Tapola hat auch auf andere Klubs einen Einfluss: Noch nie waren die Chancen, den letzten Platz loszuwerden, für Ajoie so gut wie im Frühjahr 2026, 2027, 2028 und 2029.

Hockey haut dich um!
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.

Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
TV24 Logo 3plus Logo
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
1 / 13
HCD, SCB, ZSC und? Diese Klubs wurden schon Schweizer Hockey-Meister
HC Davos: 31 Titel, 6 seit 1986; zuletzt Meister: 2015.
quelle: keystone / ennio leanza
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Despacito mit Eishockey-Spielern
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
17 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
17
Ständerat will bei Fan-Randale schnelle Urteile wie in England
Sportfans sollen nach Ausschreitungen in Stadien rasch bestraft werden können. Der Ständerat wünscht sich Erläuterungen vom Bund, wie die Schweiz im Umgang mit gewalttätigen Fans dem Vorbild Englands folgen und schnelle Urteile aussprechen könnte.
Ohne Opposition überwies der Ständerat am Mittwoch ein Postulat von Andrea Gmür-Schönenberger (Mitte/LU) an den Bundesrat. Er soll in einem Bericht darlegen, wie die Gesetzgebung angepasst werden müsste, um nach Gewaltvorfällen in Stadien rasche Urteile fällen zu können. Modell stehen soll dabei England.
Zur Story